Die Ökonomieschleife - oder wie interpretiere ich Zahlen und Rechenwerke
- Andreas Lerche
- 12. Sept. 2021
- 2 Min. Lesezeit
Eine der wesentlichen Methode des systemisch-agilen Rechnungswesens neben der Wertbildungsrechnung und der ökonomischen Wettervorhersage ist die sogenannte Ökonomieschleife. Im Prinzip ist das Denken in Schleifen und Iterationen nichts neues und ein Kernelement des systemischen Denkens. Die Anwendung im Kontext des Rechnungswesens ist sehr wohl neu und ausgesprochen hilfreich. Durch eine bewusste Trennung von Beobachtung (1), Interpretation (2) und Handeln (4) erschließen sich unterschiedliche Handlungsoptionen, von denen die mutmaßlich wirkungsvollste ausgewählt (3) und umgesetzt wird (4). Sodann beginnt der Prozess wieder bei (1) mit der Überprüfung der Wirkung der Intervention. Das Controlling wirkt hier als wichtige Unterstützungsfunktion, da es entscheidungsrelevante Daten bereitstellt, diese aufbereitet, bei der Interpretation hilft und damit Entscheiderinnen und Entscheider mit Hypothesen versorgt. Erfahrene Controllerinnen unterstützen zudem bei der Auswahl von Interventionen (Bauer, 2015, S. 62). Die nachfolgende Ausführung der systemischen Schleife orientiert sich an Königswieser & Exner (2019, S. 24) und Boos & Mitterer (2014, S. 33ff), eine ähnliche praktische Anwendung findet sich auch bei Pfläging (2011, S. 141f):
1 - Check: Beobachten, Fragen, Daten sammeln über die Ist-Situation, Informationen aufnehmen
Hier geht es zunächst um das reine Beobachten. Hilfreiche Beispiel-Fragen sind in diesem Schritt: Habe ich alle Ist-Daten zur Hand und weiß ich, wie diese zustande kommen? Fehlen mir manche Daten? Wieviel Umsatz haben wir mit welchen Kunden gemacht? Welche internen oder externen Projekte sind an Hand der Daten profitabel, welche nicht? Welche neuen Kunden konnten wir gewinnen? Mit welchen bestehenden Kunden machten wir weniger Umsatz als bspw. letztes Jahr?
2 - Think: Einschätzen, Interpretieren, bilden von Wirkhypothesen
Hier geht es um die Hypothesenbildung. Hilfreiche Fragen sind in diesem Schritt zum Beispiel: Wie interpretiere ich die Daten, wenn ich darauf aus der Vogelperspektive schaue? Welche Wirkzusammenhänge erkenne ich und wie erkläre ich mir diese? Was lief besonders gut bisher? Was könnte noch besser laufen? Warum komme gerade ich auf diese Hypothese? Was hat das mit mir zu tun?
3 - Aim: Stoßrichtungen festsetzten und Verbesserungs-Ziele bestimmen, Interventionen planen
Hier geht es um die Auswahl und Planung von möglichen Interventionen. Hilfreiche Fragen sind in diesem Schritt: Wo soll eine mögliche Intervention wirken? Wo ist der empfunden Handlungsdruck größer wo eher geringer? Woran möchte ich arbeiten? Was wollen wir bis wann erreichen? Welche Handlungsoptionen bieten sich? Welche Handlungsoption verspricht uns am meisten Erfolg?
4 - Act: Nächste Schritte festlegen, Interventionen setzen
Im letzten Schritt geht es um die Umsetzung der erfolgversprechendsten Intervention. Daraufhin beginnt der Prozess bei (1) mit der Überprüfung der Wirkung der Intervention.
Literaturhinweise und Lese-Empfehlungen
Bauer, G. (2015). Einführung in das systemische Controlling. Heidelberg: Carl Auer.
Boos, F., & Mitterer, G. (2014). Einführung in das systemische Management. Heidelberg: Carl Auer.
Königswieser, R., & Exner, A. (2019). Systemische Intervention - Architektur und Design für Berater und Veränderungsmanager, 9. Auflage 2006 - Sonderausgabe 2019. Schäffer-Poeschel Verlag: Stuttgart.
Pfläging, N. (2011). Führen mit flexiblen Zielen - Praxisbuch für mehr Erfolg im Wettbewerb. Frankfurt am Main / New York: Campus Verlag.
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